PROJEKT WALZWERK

Presseberichte


Riesige Metallkugel an einer Laufkatze
VON ULLA JÜRGENSONN, 29.10.01, 20:33h

Es war die erste Ausstellung im alten Walzwerk in Pulheim: Vier Künstler bewiesen dort, wie gut Kunst in leergeräumten Fabrikhallen zur Geltung kommt.

Pulheim - Allerdings waren die Veranstalter, die sich unter dem Namen „Projekt Walzwerk“ zusammengetan haben, kein Risiko eingegangen: Schon die Namen Oskar Berner und Wolfgang Göddertz bürgen nicht nur für Qualität, sondern auch für Publikumsinteresse. Zudem steht bei beiden außer Frage, dass ihre Werke auch große Räume füllen. Heinz Neussl passte mit seinen Arbeiten da gut ins Konzept, und auch die Video-Installation von Harald Klemm fand ihre Zuschauer. Dass Göddertz die Ausstellung dominierte, lässt sich nicht leugnen. An seiner riesigen Metallkugel, die an der Laufkatze hin und her bewegt wurde, kam einfach keiner vorbei. Sie ist aber auch monumental, aus eckigen Blechen zusammengefügt, und überrascht mit Licht-Effekten von spielerischer Leichtigkeit. Auch die anderen Metallskulpturen sind wuchtig, elegant und ungemein ästethisch - typisch Göddertz halt. Fast schon gut, dass Heinz Neussl mit seinen Arbeiten dagegen steuert: Sie sind eher spröde, wollen lange betrachtet und wohlüberlegt interpretiert werden. Immer ist sein Motiv das Kreuz, aber befreit von sakralem Pomp, geformt aus Eisenbahnschwellen oder Bleiplatten. Oder aus einem menschlichen Körper - beziehungsweise dessen Abdruck in Kunstharz, umgeben von alten Coladosen. Der Mensch ist das Thema von Oskar Berners, Gesichter, die fast immer leidend wirken. Selbst wenn er zu heiteren Farben greift, schimmert Tragik auf den Mienen. Zur Eröffnung der Ausstellung gab es ein ebenso anspruchsvolles wie abwechslungsreiches Programm. Der Schauspieler Gerd Pohl las - aus Büchern des Grusel-Autors Edgar Allan Poe und aus der Bibel. Alex Teschner spielte klassische Gitarre, und zwischendurch huschten geheimnisvoll maskierte Wesen durch die Halle. Zu sehen ist die Ausstellung im Alten Walzwerk - besser bekannt als Uebemann-Gelände an der Rommerskirchener Straße - bis Donnerstag, 1. November, 11 bis 19 Uhr.

Kölner Stadt-Anzeiger vom 30.10.2001
http://www.ksta.de/artikel.jsp?id=1004383775001
Plastiken statt Pedalen
Vor über zwölf Jahren liefen in der Halle der Firma Uebemann noch Bandeisen durch die Walze. Am Wochenende werden hier Kunstwerke ausgestellt.
von Horst Krieger
Pulheim – Als nach fast 100 Jahren die Firma Uebemann an der Rommerskirchener Straße in Pulheim ihren Betrieb einstellte, standen die Anlagen zunächst still. Nachdem in einer Halle kurzfristig eine Kart-Bahn untergebracht war, übernahm die Puppenspielerin Mecki Claus im vergangenen Jahr die Räumlichkeiten und baute sie in ein Theater um, in dem sowohl Stücke für Kinder als auch für Erwachsene gezeigt werden. Räume für Seminare und eine Werkstatt, in der die Teilnehmer der Kurse unter fachlicher Anleitung Stockpuppen herstellen können, runden das Angebot zusammen mit einem kleinen Bistro ab.
In anderen früheren Räumen des Unternehmens, das Anfang der 50er Jahre Händler im gesamten Bundesgebiet mit Fahrrad-Pedalen belieferte, befinden sich eine Weingalerie mit Restaurant und eine Werbefirma.
Ausstellung in Produktionshalle
Die zweite große Produktionshalle, die mehrere Jahre leer stand, hat sich in den vergangenen Wochen in einen Ausstellungsraum verwandelt. Die Premiere findet am kommenden Freitag, 27. Oktober, um 19 Uhr statt. Vier Künstler zeigen bis zum 1. November ihre Arbeiten, die Öffnungszeiten sind täglich von 11 bis 19 Uhr.
Die beiden in der Stadt Pulheim ansässigen Künstler Wolfgang Göddertz und Oskar Berner und der Ex-Pulheimer Heinz Georg Neussl möchten in diesem ungewöhnlichen Ausstellungsraum ihre Skulpturen, Bilder und Plastiken einem breiten Publikum vorstellen. Ergänzt wird die Ausstellung vom Videokünstler Harald Klemm aus Köln, der sich in seinen Arbeiten mit dem geklonten Schaf Dolly beschäftigt hat. Für Metallbildhauer Göddertz bietet sich erstmals die Chance, einige seiner Arbeiten – kleine und große Exponate – unter einem Dach zu präsentieren.
Gleichzeitig möchten die Künstler einen Beitrag dazu leisten, dass aus der ehemaligen Fabrik Uebemann ein Kulturzentrum wird, das von Privatleuten getragen wird. Gefördert wird die erste Ausstellung vom Kulturbüro des Landrats.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 24.10.2001