Fantasiegestalten im Figurenspiel

Eine Ausstellung des Verbandes Deutsche Puppentheater e.V. 


Teufel mit EllermutterVon Angesicht zu Angesicht
... mit Teufels Großmutter. 
Es ist etwas Eigenartiges um die Begegnung mit Figuren, die - wie hier - aus dem Theaterleben herausgelöst, dem Betrachter im Rahmen einer Ausstellung entgegentreten. Für die Puppenspieler ein durchaus zwiespältiges Unterfangen ... 
Und doch gibt die Figur im "Ruhestand" Raum für die Entdeckung ihrer künstlerischen Form, jene Dimension, die sich im theatralischen Zusammenhang der Bewegung des Spielers unterwirft - und verflüchtigt ...
Mampfred
Immer wieder erlebt der Berufspuppenspieler nach der Vorstellung die Bitte seiner Zuschauer, auch einmal hinter die Kulisse gucken zu dürfen, mit anderem Abstand noch einmal all das zu sehen, was ihn vorher in eine andere Welt entführte.
Die Äußerungen angesichts der unbelebten "Theaterinstrumente" kennzeichnen sich durch Erstaunen: "Die waren doch viel größer auf der Bühne!" heißt es so oft. Oder: "Ach sooo wird das gemacht!" und "Das sah so einfach aus!" 
Das Erlebnis Figurentheater vollzieht sich immer auch mit der Fantasie des Publikums. Der Zuschauer ist es, der die lebendige Eigenständigkeit der Puppe glaubt, besseren Wissens zum Trotz, dass nur ein Mensch durch Spielimpulse die bildnerische Form beseelt, die da so frech allein daherspaziert. 
Teufel
Die Fantasie des Publikums kann so weit gehen, dass eine gut (!) gespielte Tüte ein fressendes Monster glaubhaft werden lässt. Es gibt sie, solcherart Ungeheuer! Sie besiedeln die Theaterlandschaft und verkörpern leibhaftig und unleugbar Wesen, die es gar nicht geben kann! 
Geeignet für eine Ausstellung sind sie allerdings nicht, denn ohne die Animation der Spieler verflüchtigen sich diese Fantasiegestalten, verwandeln sich zurück in Papier ... Plastik ... Stoff.
Schauen Sie ruhig von verschiedenen Blickwinkeln aus, dann entdecken Sie ein wenig die handwerklichen Geheimnisse: Die Materialbeschaffenheit der Figuren, den Pinselstrich, die Handschrift des Holzschnitzers, die Führung der Nähte und Abnäher. Und hier und da auch Spuren ihrer Beanspruchung. 
Uli von Bödefeld
Man stelle sich vor: eine kleine Neigung des Kopfes, eine winzige Straffung im Körper, ein Blickkontakt ... die Figur lebt! Überraschend, eigenständig und höchst verwirrend! 
Die bizarren Ausstellungsflächen auf (in oder unter) denen sich die Figuren präsentieren, versuchen ein wenig die Bühne nachzuempfinden und eine Ahnung vom Spannungsverhältnis zu geben, das zwischen Figur und Raum besteht. Durch die Bindung der Figuren an ihre Spieler sind es - abhängig von der Bedienung ihrer Führungstechnik - sehr unterschiedliche Orte, an denen sich unsere Fantasiegestalten tummeln. 
Unsere "Spielinstrumente" sind ausgestaltete Persönlichkeiten mit sehr eigenwilligem, unverwechselbarem Profil. Eine Reihe skurriler Wesen wird Ihnen gegenübertreten, die einmal im Rahmen einer Inszenierung Eigenleben führten: Tiergestalten, Trolle, Teufel, Kobolde, Knörze, Muckis, Schnipsis, Auerhähne...

Andere werden ihnen vielleicht schon vertraut sein: Uli von Bödefeld, der Li-La-Launebär ... (hier handelt es sich übrigens meistenteils um Doppelgänger!) 
Alle miteinander laden Sie ein, zu verweilen.

Soldaten und Mopsi Micky, der kleine Drache

Die Ausstellung wurde entworfen und eingerichtet von Michael Benecke. 
Fotos von Petra Meyer, Hans Scheu, Helmut Sellje, Dieter Kieselstein und Peter Röders
Text: Kristiane Balsevicius
Copyright: Deutsche Puppentheater e.V.
Ausstellungsbetreuung: Petra Wolfram sowie die Geschäftsstelle des Verbandes
Webgestaltung: Wilfried Claus
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