Mordgelüste und französischer Charme

VON BRITTA HAVLICEK, 07.03.05

Szenen voller Hass, Eifersucht und Gehässigkeiten à la Shakespeare boten sich den Zuschauern am Freitagabend im Pulheimer Theater „Walzwerk“. 

Pulheim - Mit ekstatischen Bewegungen führte die Gestalt auf der Bühne ihre Hände vor. „Here's a spot. Out, damned spot! Out, I say!“ („Hier ist ein Fleck. Verschwinde, verdammter Fleck! Verschwinde, sag' ich!“) Lady Macbeth, die machtbesessene Dame aus William Shakespeares Werk „Macbeth“, wand sich vor dem Publikum. Sie wollte nach dem blutigen Mord an König Duncan ihre befleckten Hände rein waschen. Einerseits wirkte die Szene aufgrund des Inhaltes grausig. Doch das Publikum im Pulheimer Theater „Walzwerk“ musste lachen. Denn hinter der Gipsmaske mit dem blauen Schleier der affektiert auftretenden Lady verbarg sich der Schauspieler und Regisseur Robin Denault, der mit weiblicher Stimme und gekonnt übertriebenen weiblichen Gesten die Lady spielte. 

Brutal ging es am Freitagabend im „Walzwerk“ zu. Mit dem Ein-Mann-Stück „Hate by Shakespeare“ führte Denault den etwa 50 Zuschauern, passenderweise in englischer Originalsprache, verschiedene Szenen aus Shakespeares bekanntesten Werken vor, die alle von Hass, Gemeinheiten, Eifersucht und Gehässigkeiten handeln. Doch so brutal die Szenen auch waren, so lustig war gleichzeitig die Darstellung durch den Schauspieler. So trat er beispielsweise als heroischer Henry V. in Erscheinung. In einem Zwiegespräch mit seiner angebeteten Katharine, deren Part er ebenfalls übernommen hatte, warb er dann allerdings ziemlich tölpelhaft um ihre Gunst. Und die hoheitliche Dame stellte er - zum Vergnügen des Publikums - mit übertrieben-eifrigem Fächerwedeln und mit einem charmanten französischen Akzent dar. 

Einen wirklich mitreißenden Auftritt präsentierte Denault dann als König Richard III. Im Gespräch mit Shakespeare selber - dessen Stimme hallte gottähnlich vom Band - stellte Denault anfänglich mit gekonnt irrem Blick fest: „Oh, I killed everyone and then I was king“ („Oh, ich habe jeden ermordet, und dann wurde ich König“). Sichtlich beeindruckt von seinen schauspielerischen Qualitäten und seiner mimischer Gewandtheit verfolgte das Publikum, wie Denault als King Richard III. immer mehr dem Größenwahn verfiel. Immer wieder versuchte er in gebückter Haltung, seine Wegbegleiter und Untertanen, die durch Styroporpuppen dargestellt waren, zu umgarnen - um ihnen letztendlich in seiner Mordlust die Köpfe abzureißen. 

Presse: http://www.ksta.de/html/artikel/1109243487061.shtml
Die englischen Texte sind hier zum Download: MACBETH - KING HENRY V - KING RICHARD III
Szenenfotos
2 Linkempfehlungen:

Biographie und viele Originaltexte: http://gutenberg.spiegel.de/autoren/shakespr.htm
Texte in Englisch oder Deutsch u.a.: http://www.william-shakespeare.de/